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Innenraum und Fenster Der Chorraum mit seinem schlichten Kreuzgewölbe, zeigt über dem Bogen die gemalten verzierten Wappen der Wolfsteiner und Casteller, die ein Schriftfeld
flankieren mit dem Zitat aus 2.Mose 20,24: "An welchem Ort ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, das will ich zu dir kommen und dich segnen" (Ist das der Weihespruch der Kirche ?). Das nördliche Fenster im
Chorraum - früher das Fenster zum Friedhof - zeigt drei kleine Glasgemälde mit Wappenschilden, davon zwei mit Inschrift: "Herr Friedrich Wilhelm Wurmrausch von Frauenberg Hochgräffl. Wolffsteinischer Stallmeister A.
1688" und "Herr Joachim Lew Hochgräffrl. Wolffsteinscher Rath Pleger zu Ober Sultzbürg und Lehenprobst. Anno 1688."
Über die Herkunft der Kreuze in der Kirche konnte ich wenig erfahren. So wird nur von dem
Kreuz an der Schmalseite der Seitenempore berichtet, daß es sich um ein geschnitztes Grabkreuz handelt, das auf dem Kirchenboden gefunden worden war und überarbeitet worden ist. Das schöne Vortragekreuz von 1844 wurde erst
jüngst erneuert.
Altar, Kanzel und Taufstein Die Kanzel und der Altar, die früher die Marktkirche schmückten, verbrachte man 1719 in die Othmarkirche nach Kerkhofen. Dafür kamen aus der
Schloßkirche St.Michael Altar und Kanzel in die Marktkirche, wobei die Kanzel auf ein Brett gestellt wurde, das von einer Wand des Gevierts zur anderen ging. Erst bei der Restaurierung 1921 ersetzte man dieses Brett durch eine
Säule. Von der jetzigen Kanzel und dem Altar der Marktkirche kann man in der Pfarrbeschreibung lesen: "Anno 1610 ließ Herr Johann Adam, Reichsfreyherr von Wolfstein die Michaelskirche renovieren auch einen schönen Altar,
an welchem die Einsetzung des Hlg. Abendmahls zu sehen aufrichten, über welchem der Erzengel Michael fast in Mannsgröße mit seinen beiden Händen zween Schilde denen das Wolfsteinisch und Limpurgisch einverleibt, hält.
Ferner ließ in diese Kirche Sophia Louysa, Gemahlin des Grafen Albrecht Friedrich von Wolfstein 1667 eine schön neue Kanzel verfertigen, an welcher die vier Evangelisten stehen." (Die Jahreszahl muß wohl 1670 heißen, nach
einer Sterbematrikel vom 27.6.1670: "die erste Leichenpredigt gewesen, so auf der neuerbauten Kanzel in der Schloßkirche gehalten ward.") Ein Eintrag in der Pfarrbeschreibung läßt vermuten, daß die Farbgebung der
Kanzel zumindest ursprünglich anders war: Weiß mit vergoldeten Figuren und Verzierungen. Die Aufstellung in einer Friedhofskirche bedingte dann wohl den grauen Anstrich wie er heute noch ist. Der Altar ist aufgebaut mit vier
Halbsäulen und aufgelegten Ornamentstücken. In der Predella kann man lesen: "DEDICAT HANC ARAM IOVAE BARO, IANUS ADAMUS / WOLFSTEINIUS VERAE RELIGIONIS AMANS: / ANNO MDCX. Renov. MDLLLLXXXII", was wohl in barock
schwulstiger Sprache bedeuten soll, daß Johann Adam von Wolfstein, "der die wahre Religion liebt" diesen ALtar gestiftet hat. Über dem Aufsatz sieht man in der Mitte fast lebensgroß den Erzengel Michael, der die zwei
Wappen von Wolfstein und des Schenk von Limpurg hält. Das Altargemälde stellt den Besuch Jesu bei Maria und Martha in Bethanien dar. Es stammt von einem Leinwandepitaph. Darüber gibt eine Inschrift auf der Rückseite des Altares
Auskunft: "Zum Gedächtnis an die Wohl-Edel geborene Frau Maria Barbara Lewin, des Geschlechts Schleicherin geboren zu Nürnberg am 6.3.1641, gestorben zu Sulzbürg am 22.Mart.1694, Gemahlin des Joachim Lew."
Früher muß nach verschiedenen Quellen eine Abendmahlsdarstellung den Altar geschmückt haben.
Glocken und Uhren Im Turm hängen in einem hölzernen Glockenstuhl drei Glocken. Die große Glocke mit einem Durchmesser von 70 cm und einer Höhe von 67 cm, trägt die Aufschrift:
"CHRISTIAN ALBRECHT GRAF VON WOLFSTEIN / HERR ZU OBERSULZBÜRG UND PÜRBAUM / DES KÖNIG: DÄNISCHEN ELEPHANTEN / ORDENS RITTER"
samt Wappen und meldet weiter: "Anno 1736 goß mich Christian Viktor Herold in Nürnberg". Diese Glocke hat eine weite Reise hinter sich: 1942 war sie wie viele andere Glocken auch konfisziert worden. 1948 kehrte sie nach Sulzbürg zurück, nachdem sie in Hamburg entdeckt worden war. Die mittlere Glocke, mit einem Durchmesser von 56 cm und einer Höhe von 46 cm trägt ein Schriftband: "Anno 1736 goß mich Christian Viktor Herold in Nürnberg" und ist mit Wappen geschmückt.
Die kleine Glocke, mit einem Durchmesser von 56 cm und 46 cm Höhe,
mit einem nicht mehr zu entziffernden Schriftband hat ebenfalls eine, wenn auch kürzere Reise hinter sich: Sie wurde 1964 aus der Schloßkirche in die Marktkirche überführt, da ihr Ton nicht in den Zusammenklang der Geläute von Schloßkirche und Katholischer Kirche paßte.
Die Marktkirche hat zwei Uhren: Ein mechanisches Werk, das jeden Tag vom Mesner aufgezogen werden muß, das die drei Zifferblätter und den Viertel- bzw. Stundenschlag zu besorgen hat und eine elektrische Schaltuhr in der
Sakristei, die das Gebetläuten steuert. Diese Regelung ergibt sich aus alten Rechten: Die politische Gemeinde ist für Kirchturmuhr mit Zifferblättern und Stundenschlag zuständig, das Gebetläuten aber ist Aufgabe der
Kirchengemeinde.
Orgel Auf der Empore steht die kleine Orgel mit barockem Gehäuse. Das Werk ist teilweise "jüngeren" Datums; die Disposition weist sie als "romantische Orgel" aus, wie man sie
Anfang dieses Jahrhunderts bis in die Zwanziger Jahre baute: Sie hat aber eine mechanische Traktur, mit einem verkürzten, ungewohnt liegenden Pedal, was eine Umstellung des Organisten erfordert, der "normale" Orgeln
gewohnt ist. Sie hat vier Register: Prinzipal 4' - Salicional 8' - Flöte 4' - Gedeckt 8' und knapp 200 Pfeifen.
Epitaphe Als Friedhofskirche mit Bestattungen im Kirchenschiff gehören zur Marktkirche verschiedene Epitaphe. Das bemerkenswerteste, rechts im Kirchenschiff, ist ein Werk des bekannten Nürnberger
Künstlers Joh.Mart.Romsteck, der dort mit kunstvollen Grabsteinen bekannt geworden ist. Dieses Epitaph erinnert an Klara Maria von Mühlholz auf Kirchenreinbuch, geboren am 25.4.1713 zu Sulzbach, verstorben am 4.4.1736 -
im Alter von 23 Jahren! Das Epitaph zeigt ein von zwei verschleierten Karyatiden flankiertes Schriftfeld , mit posaunenblasenden Engel am Giebel und seitlichem, trauernden Genius. Am unterem Rand kann man lesen:
"Joh.Mart.Romsteck Fecit in Nürnberg". Der zugehörende, eigentliche Grabstein aus Kalkstein mit gegossenem Bronzewappen liegt im Mittelgang am Boden - für viele ein Stolperstein in unserer Marktkirche!
Im
Altarraum links ist ein Epitaph auf Holz: König David in reich geschnitztem Rahmen, "für Helene Susanna Waldstromer von Reuchelsdorf" ( + 7.8.1666).
Im Chorraum hängt rechts ein Epitaph auf Leinwand und stellt
St.Petrus dar. Es wurde errichtet "Für Joachim Lew, hochgräflich Wolfstein, Rat und Pfleger zu Obersulzbürg und Lehensprobst" geboren am 27.3.1630 zu Lößlin in Pommern, verstorben am 3.6.1695 zu Obersulzbürg).
Zu diesem Leinwandepitaph gehörten noch zwei weitere: Eines war für Frau Maria Barbara Lewin errichtet worden mit der Darstellung des Besuches Christi bei Maria und Martha. Dieses Gemälde wurde als Altarbild verwendet, wie auch
ein Text auf der Rückseite des Altares anzeigt. Ein weiteres, leider sehr verderbtes Epitaph auf Leinwand stellte die Auferweckung des Lazarus dar und war zum, Gedächtnis für Wolfgang Rechpacher, Freihherrl. Wolfstein.
Lehensprobst (+ 8.2.1647), sowie seine Frau Regina, geb. Schneeweissin, (+ 4.3.1647) und deren Tochter Anna Sophia (+ 28.3.1659) bestimmt und ist derzeit im Landlmuseum aufbewahrt.
Rudolf Kießling
Quellen: "Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern",
Pfarrbeschreibung und Akten des ehemaligen Pfarramtes Sulzbürg/Rocksdorf.
16.Oktober 1988, Evang.Luth.Pfarramt Sulzbürg, Engelgasse 2, Telefon 09185-287
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